In diesem Artikel findest du Erfahrungsberichte zu verschiedenen ADHS-Medikamenten wie Elvanse, Methylphenidad AL und anderen Präparaten.
⚠️ Diese persönlichen Geschichten können dir einen Eindruck davon vermitteln, wie andere Betroffene ihre medikamentöse Behandlung erlebt haben. Bedenke bitte beim Lesen, dass jede Person individuell auf ADHS-Medikation reagiert. Wirkung, Dosierung und mögliche Nebenwirkungen können stark variieren. Bei ADHS-Medikation gibt es gibt keine Standarddosierung. Die individuelle Dosis muss immer austitriert werden.
Die Erfahrungen ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Wenn du überlegst, ein Medikament einzunehmen, abzusetzen, die Dosierung zu verändern oder zu einem anderen Präparat zu wechseln, wende dich immer an deine:n Ärztin/ Arzt, um dich fachlich beraten zu lassen.
Erfahrungen mit Elvanse (Lisdexamfetamin)
Elvanse ist der Markenname für den Wirkstoff Lisdexamfetamindimesilat und hilft Aufmerksamkeit und Konzentration zu verbessern und Impulsivität zu verringern.
Elvanse ist ein lang wirkendes (retardiert) Arzneimittel. Die Wirkzeit beträgt ca. 12-14 Stunden.
Erfahrung mit Elvanse 20 – 30 mg
• Person: Angestellter, männlich, 32 Jahre
• Diagnose(n): F90.0 ADHS, vorwiegend unaufmerksames Erscheinungsbild
Ich nehme die Kapsel aktuell täglich ein. Ein- bis zweimal im Jahr soll es eine längere Pause von ein bis zwei Wochen geben. Am besten, wenn ich Urlaub habe und das Chaos in meinem Kopf auch Chaos sein darf. So habe ich keine negativen Konsequenzen (zum Beispiel auf der Arbeit) – nur Freunde und Familie müssen das wieder aushalten -lach-.
Wie mit dem Arzt abgesprochen nehme ich das Medikament immer morgens ein. Auf der Packung steht zwar vor dem Essen. Aber für eine bessere Verträglichkeit esse ich vorher immer zwei bis drei Bissen, damit wenigstens ein bisschen im Magen ist.
Ich bin froh, einen wirklich sehr guten Psychiater zu haben, welcher auch mit ADHS vertraut ist. Er ist sich bewusst, dass es nie nach Schema F läuft und jeder Mensch anders ist. Es wurde nie der Druck gemacht, dass ich mich strickt an die Packungsbeilage zu orientieren habe und es vor dem Frühstück nehmen muss.
Es wurde mir immer das Gefühl gegeben, dass ich auf meinen Körper hören soll.
Mein Eindosierungsprozess mit Elvanse
Der Eindosierungsprozess war komplett anders, als alles, was ich vorher kannte. Ein Arztbesuch lief für mich immer so ab: Ich gehe zum Arzt. Sage, was ich habe. Bekomme, wenn es gut läuft, noch 1-2 Rückfragen. Bekomme ein Medikament verschrieben. Mir wird gesagt, wie oft es anzuwenden ist. In der Apotheke dann das gleiche Spiel: “Kennen Sie das Medikament?” “Ja/Nein” – Dann wird das Medikament nochmal erklärt und gesagt, wann ich es am besten nehmen soll. Vor, nach oder während des Essens, am besten liegend oder nur bei Bedarf. Es gibt quasi schon eine Gebrauchsanleitung dafür und du musst dich nur noch danach halten.
Und wie verblüfft ich war, als es plötzlich anders rum war. Nachdem wir kurz meine Testergebnisse durchgegangen sind, wurde ich gefragt: “Was wollen Sie denn?”. Mit dieser Frage konnte ich erstmal wenig anfangen und mein Kopf begann zu rattern: Gute Frage… Was will ich denn?! Sind Sie nicht der Arzt?! Sollten Sie nicht wissen, was jetzt das beste Medikament wäre!?
Ich war mit dieser Frage sehr überfordert und dachte auch gleichzeitig: Wie jetzt? Ich darf entscheiden, was das Beste für mich wäre?
Natürlich hatte ich mich im Internet ein bisschen eingelesen und auch einen Bericht von einem Freund, welcher jahrelang Methylphenidat genommen hat.
Ziemlich verunsichert äußerte ich “Elvanse” als Wunschmedikament.
Wir sind mit 20mg gestartet. Die ersten Tage mit Medikation waren unaufgeregt. Ich hatte mir vielleicht mehr erhofft. Vielleicht waren meine Erwartungen zu groß. Um ehrlich zu sein, war ein ein bisschen enttäuscht.
Den Folgetermin hatte ich bereits eine Woche später. Ich schilderte die Veränderungen und hatte das Gefühl, “da geht noch mehr”. Daraufhin habe ich 30mg verschrieben bekommen. Das war jetzt genau vor zwei Monaten.
Meine Nebenwirkungen mit Elvanse
Ich habe weniger Appetit. Für mich eher problematisch, weil ich sowieso recht schlank bin und abnehmen ist eher das Gegenteil von dem, was ich möchte. Ich versuche jetzt mehr auf meinem Körper zu hören und bewusster zu essen.
Auch habe ich definitiv einen höheren Ruhepuls. Aufgefallen ist mir dies beim Joggen. Ich mache Herzfrequenztraining, das bedeutet, dass meine Herzfrequenz während des Laufens nur in einem bestimmten Bereich sein sollte. Die Bereiche gliedern sich von 1 (niedrig) bis 5 (hoch). Ich trainiere in Zone 2 (Grundlagenausdauer) als Vorbereitung auf einen Marathon. Ich hatte über ein paar Wochen eine Beinverletzung und war dementsprechend nicht laufen. Die ersten Läufe nach der Verletzung (und das erste Mal Laufen mit der Medikation) waren katastrophal. Der Puls war so hoch, dass Zone 2 so gut wie nicht möglich war – außer ich wechselte zum Gehen. Meine Laune war richtig am Boden, weil ich mir das nicht erklären konnte. War bereits durch so kleine Pause meine Kondition so schlecht geworden?
Der Aha-Effekt kam, als ich das erste Mal sonntags vor dem Frühstück eine große Runde joggte. Über 10km war mein Puls konstant in Zone 2. Seitdem lege ich meine Joggingrunden nicht mehr in die Mittagspause, sondern bewusst in die Randzeiten, wenn das Medikament nicht mehr wirkt.
Wirkung von Elvanse (30mg)
Die ersten bewussten Veränderungen habe ich erst mit 30 mg gespürt. Es war mehr Ordnung in meinem Kopf. An Aufgaben konzentrierter zu arbeiten, war kein Problem mehr. Wenn ich unterbrochen wurde, fiel es mir einfacher, den Faden wiederzufinden.
Anfallende Aufgaben fielen leichter anzupacken. Der “Berg der Motivation”, den es vorher zu überwinden galt, um eine Aufgabe anzufangen, ist nun deutlich geschrumpft. Es gibt diesen Berg definitiv noch, aber es fällt mir deutlich einfacher diesen zu überwinden.
Ich finde es viel spannender zu erfahren, was Menschen in meinem Umfeld beobachten, wenn ich die Medikamente nicht nehme. Denn Negatives fällt eher auf.
Ich war letztens mit einer Freundin gemeinsam laufen und quatschen. Und plötzlich fragt sie mich: “Sag mal: Hast du deine Medikamente heute nicht genommen?” Und ja – ich hatte die Medikamente für ein paar Tage abgesetzt. Das hatte auch sofort Konsequenzen: Meine Wohnung war unordentlicher, die Konzentration auf Gespräche war wieder komplett weg, Antriebslosigkeit siegte wieder oft über meinen Tatendrang.
Meine Tipps für andere Erwachsene
Erwarte nicht zu viel. Es wird keine Wesensveränderung stattfinden und es ist trotzdem Arbeit von dir nötig, um deine Ziele zu erreichen. Das Medikament ist nicht die Lösung, sondern auch nur ein Werkzeug/Hilfsmittel, welches richtig eingesetzt werden muss.

Erfahrung mit Elvanse 50 mg
• Person: Transfrau/nicht-binär, 30 Jahre
• Diagnosen: F90.0 ADHS, F40.1 Soziale Phobie, F64.0 Transsexualismus
• Weitere Medikation: Trenantone (alle 3 Monate, um Testosteron zu reduzieren), Estrofem (2x 2 mg täglich, um Östrogen zu steigern), Escitalopram 15 mg
Eindosierung: Start mit Ritalin, dann Elvanse 30-50 mg
Ich habe zuerst Ritalin bekommen. Hier die gleichen Nebenwirkungen, wie bei Elvanse, teilweise sogar etwas stärker. Deshalb habe ich erst Escitalopram bekommen, und nach dieser Eingewöhnung bin ich dann auf 30 mg Elvanse umgestiegen.
Die 30 mg Elvanse haben mir bereits etwas geholfen, aber nur minimal. Daher hat meine Psychiaterin auf 50 mg Elvanse erhöht
Wirkungen von Elvanse
Ich nehme ca. 2-5x pro Woche Elvanse 50 mg bei Bedarf. Die benötigte Überwindung einen Task zu erledigen sinkt etwas. Es ist nicht so, dass dann alle meine Blockaden weg sind, aber anzufangen fällt mir etwas leichter. Und sobald ich angefangen habe, falle ich durch Elvanse einfacher in einen Hyperfokus-Tunnel und kann dann stundenlang konzentriert arbeiten, ohne abgelenkt zu werden.
Ich bleibe länger wach (was auch ein Nachteil sein kann). Wenn ich das Medikament erst mittags nehme, arbeite ich meistens die ganze Nacht bis morgens durch. Dadurch bringe ich dann zwar Tasks voran, verschlafe aber den nächsten Tag.
Die 50 mg halten gefühlt 18 Stunden. Wenn ich sie bereits um 6 Uhr nehme, kann ich oft trotzdem erst um Mitternacht einschlafen.
Nebenwirkungen von Elvanse 50 mg
Die Einnahme von Elvanse führt bei mir zu einem hohen Puls, ich bin sozial etwas unbefähigter/gestresster und habe ein leicht „berauschtes“ Gefühl.
Aufgrund meiner Sozialphobie und die Ängsten als Nebenwirkung von Elvanse zu unterdrücken, nehme ich täglich Escitalopram (15 mg). Es sorgt für emotionale Stabilität, soll die Sozialphobie einzudämmen und Ängste als Nebenwirkung von Elvanse zu unterdrücken.
Mein persönliches Fazit zu Elvanse und Escitalopram
Ich bin noch nicht mega happy mit meinen Medikamenten-Mix. Das Escitalopram bringt gefühlt nichts und Elvanse führt auch nur zu einer sehr geringen Verbesserung. Jedoch freue ich mich trotzdem, dass ich etwas habe womit ich mir ein wenig weiterhelfen kann, wenn ich stark blockiert bin.
Erfahrung mit Medikinet Adult & Elvanse 30-70 mg
• Person: Arbeitslos, Studium abgebrochen, Vater, männlich, 32 Jahre
• Diagnosen: ADHS, Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung, Rezidivierende depressive Störung, Verdacht: Autismus-Spektrum-Störung
Medikamentöse Behandlung als Kind mit Ritalin
Ich wurde als Kind bereits mit ADHS diagnostiziert und von 7-14Jahren mit Ritalin behandelt. Dabei kamen sowohl retardierte und nicht retardierte Formen vor. Morgens nahm ich zwischen 20-30 mg ein und mittags nochmal 10-20mg ein.
Es half mir teilweise dabei weniger zu überreizen und meine Schulaufgaben waren ordentlicher. Es hatte eine besondere Wirkung auf mein Schriftbild und verbesserte dieses enorm. Es verstärkte meinen Hyperfokus enorm was positive und negative Seiten hatte.
Die Nachteile waren Appetitlosigkeit, Erschöpfung und Müdigkeit nach Wirkungsabfall und aggressives Verhalten, wenn ich zu oft aus dem Hyperfokus gerissen wurde. Deswegen setzte ich das Medikament mit 14 ab.
Medikamentöse Behandlung als Erwachsener mit Medikinet Adult
Mit 25 wurde ich erneut diagnostiziert und begann eine Behandlung mit Medikinet Adult. Die Dosierung blieb weitestgehend mir überlassen. Ich probierte 8 Monate lang verschiedene Dosierungen zwischen 40 – 70 mg aus und war nicht zufrieden. Die verspürte Unterstützung war insgesamt sehr limitiert. Ich brauchte eine gut funktionierende Struktur, damit ich genug essen konnte. Gleichzeitig war ich nach dem Wirkungsabfall zu kaum was fähig.
Mit der Geburt meiner Tochter brach ich das Medikament ab, da mich zu viele Unterbrechungen aggressiv machten und sich dies mit einem Säugling nicht vereinbaren ließen.
Wechsel zu Elvanse (30 – 70 mg)
Nach einem Jahr Diskussion durfte ich dann Elvanse ausprobieren und es half mir wesentlich besser.
Es erfolgten keine Voruntersuchungen wie EKG oder Blutuntersuchungen, dies holte meine Hausärztin später nach.
Die Eindosierung begann mit 30 mg und ging dann in 10 Schritten immer höher. Ab 50 mg merkte ich eine deutliche Besserung meiner Symptome. Aktuell nehme ich 70mg Elvanse und fahre damit gut. Ich mache einen Tag in der Woche Pause vom Medikament und wenn ich krank bin.
Meine Vor- und Nachteile von Elvanse (70 mg)
Vorteile: Ich bin belastbarer, habe eine bessere Tagesstruktur, essen können, emotional ausgeglichener, weniger abgelenkt, fokussierter und weniger überreizt
Nachteile: Oft trockener Mund, bei Stress und Hitze erhöhtes Schwitzen, Erschöpfung weniger merken
Wenn ich nochmal eine:n Fachärzt:in finde, würde ich gerne auf 60 mg wechseln, weil es Tage gibt an dem ich die Dosierung als zu hoch empfinde.
Erfahrungen mit Methylphenidad (kurz wirksam)
Zu den kurz wirksamen Methylphenidad-Marken gehören Ritalin, Medikinet sowie Generika. Generika ist kein Markenname, sondern bezeichnet „Nachahmerprodukte“. Diese Medikamente enthalten den selben Wirkstoff wie das Originalprodukt, deren Patent abgelaufen ist.
Präparate dieser Substanzklasse wirken nach etwa 30 Minuten für 3-4 Stunden.
Erfahrungsbericht für Methylphenidad AL (Generika) 10 – 40 mg
• Person: Angestellter, männlich, 41 Jahre
• Diagnose(n): F90.0 ADHS, vorwiegend unaufmerksames Erscheinungsbild
Mein Neurologe hat die Eindosierungsphase mit 10 mg begonnen. Wir sind dann im Wochentakt je 10 mg hoch. Aktuell sind wir bei 40 mg. Als ich krank war habe ich keine Medikation eingenommen, auch nicht im mehrwöchigen Sommerurlaub.
Ich habe vorher von Anderen gehört, dass es unter Medis endlich ruhig im Kopf sein soll. Eine solche Wirkung habe ich (bis jetzt) leider nicht erlebt.
Teilweise hatte ich den Eindruck abends nach der Arbeit etwas mehr Energie zu haben und hatte z.B. noch Kraft, die Küche aufzuräumen oder Wäsche zu waschen. Aktuell würde ich sagen, dass ich nichts bemerke. In ärztlicher Absprache haben wir die Dosis bis 70 mg erhöht. Hier kam es zu Nebenwirkungen, bei denen ich mich wie aufgeregt fühlte. Das Gefühl hat mich an Lampenfieber erinnert. Jetzt wechseln wir zu Elvanse.
Erfahrungsbericht 3: Medikinet
• Person: Studentin, weiblich, 22 Jahre
• Diagnose(n): F90.0 ADHS
Als Kind war ich nie besonders verhaltensauffällig. Ich galt als schüchtern, verträumt und ziemlich vergesslich. Meine Eltern haben früh erkannt, dass mir bestimmten Dinge schwer fallen wie z.B. soziale Interaktionen, Emotionsregulierung oder auch Ordnung zu halten. Ich erachte es als großes Privileg, dass mir vor allem meine Mutter schon früh unterschiedliche Strategien beigebracht hat, um meinen Alltag zu meistern. Bis zur weiterführenden Schule war deshalb meine AD(H)S kaum ein Thema. Je älter ich wurde desto mehr Selbstständigkeit wurde in der Schule von uns erwartet. In der Mittelstufe realisierte ich langsam, dass ich unter der Anstrengung litt meine Konzentrationsschwierigkeiten, mangelnde Struktur und konstant innere Unruhe auszugleichen.
Eigentlich hatte ich schon recht früh – auch familiär – viele Berührungspunkte mit Neurodivergenz aber kannte bis zu dem Zeitpunkt nur die typisch-männlich-sozialisierte Symptomatik: Kleine Jungen oder Männer, die immer laut sind, nicht still sitzen können und dadurch in jedem Raum die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Rückblickend habe ich erst durch meine ältere Schwester (Sozialarbeiterin) einordnen können, dass Neurodivergenz ein Spektrum ist und viele meiner Verhaltensweisen sich dort einordnen lassen. Dennoch hatte ich häufig das Gefühl nicht “genug” darunter zu leiden, um wirklich eine Form von AD(H)S zu haben, da ich selten negative Rückmeldungen von außen erhalten habe und meine Symptome nur meinem engsten Umfeld aufgefallen sind.
Während der Coronazeit ist meine erlernte Routine in sich zusammengefallen, womit ich sehr überfordert war. Auch während Klausurenphasen bzw. dem Abi habe ich nie verstanden, wieso ich solche Schwierigkeiten mit dem Lernen habe.
Irgendwann konnte ich mir eingestehen, dass es mir gut tun würde dem AD(H)S Verdacht nachzugehen. So habe ich die Diagnose dann im Erwachsenenalter erhalten. Dieses äußert sich bei mir primär mit Unaufmerksamkeit, innerer Unruhe und eher selten mit Hyperaktivität.
Symptomatik
Im Allgemeinen benötige ich egal in welchen Lebensbereichen mehr Zeit für Aufgaben als andere Menschen. Wenn ich mich für etwas interessiere oder Spaß an etwas habe, kann ich mich damit stundenlang beschäftigen. Dabei fällt mir dann häufig nicht auf, wenn ich zu lange nichts gegessen habe oder nicht auf der Toilette war. Tätigkeiten, die mich nicht interessieren oder die mich wegen ihres Umfangs überfordern, kann ich hingegen aufschieben, bis es nicht mehr geht. Außerdem fällt es mir schwer Routinen im Alltag einzuhalten. Routinen geben mir unglaublich viel Sicherheit und innere Ruhe, können mich aber ohne “Dopaminkicks” schnell langweilen. Reizüberflutung durch Geräusche, Lautstärke, Licht oder allgemein andere Menschen begleitet mich ebenfalls schon mein Leben lang. Ich werde immer als sehr ruhiger Mensch beschrieben und bin nur selten nach außen hyperaktiv.
Meine Erfahrung mit Medikinet
Das erste Mal als ich Medikinet genommen habe, wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Es war total skurril herauszufinden, dass neurotypische Menschen nicht dauerhaft über fünf verschiedene Dinge gleichzeitig nachdenken. Ich konnte das erste Mal in meinem Leben in einem Café sitzen und ein Gespräch führen ohne alle zwei Sekunden abgelenkt zu werden. Normalerweise bekomme ich nicht alles von Gesprächen mit, weil ich immer mal wieder “rauszoome”. Früher habe ich dann immer nur aus Freundlichkeit zustimmend genickt und teils auch wichtige Informationen nicht gehört.
Die Eindosierungsphase habe ich wechselhaft in Erinnerung. Auf der einen Seite habe ich mich sehr gefreut direkt eine positive Wirkung zu beobachten. Auf der anderen Seite musste ich einiges ausprobieren, um zu verstehen was mir gut tut und was nicht. Die ersten zwei, drei Wochen waren teils schon anstrengend, da sich mein Körper an Medikinet gewöhnen musste und ich Nebenwirkungen hatte.
Das Unangenehmste dabei waren Kopfschmerzen, die ich während des Rebound (= Zeitraum in dem das Medikament aufhört zu wirken) bekommen habe. Diese waren jeden Tag ziemlich stark für ungefähr 30 – 60 Minuten. Ehrlicherweise habe ich nach zwei Wochen darüber nachgedacht das Ganze abzubrechen, weil ich dachte, die Schmerzen würden nicht wieder verschwinden, bin aber sehr froh durchgehalten zu haben. Außerdem hatte ich unglaublich viel Durst während der ersten Wochen. Mein Mund hat sich trocken angefühlt und ich habe durchgehend Wasser getrunken.
Meine Tipps für die Eindosierungsphase mit Medikinet
- geduldig sein und mit Kopfschmerzen rechnen (wenn man Medikinet immer zur selben Zeit einnimmt, findet man schnell heraus zu welcher Uhrzeit die Schmerzen auftreten)
- mir hat es geholfen etwas zu essen kurz bevor das Medikament nachgelassen hat
- ganz viel Trinken
- Vor der Einahmen IMMER etwas essen (am besten viel Frühstücken, 20min warten und dann einnehmen. Wenn man kein Mensch ist, der gerne frühstückt sollte man eher ein anderes Medikament ausprobieren)
- in der Eindosierungsphase kein Koffein trinken. Dies wird empfohlen, um dann zu wissen, welche Nebenwirkungen wirklich Nebenwirkungen sind und dann erst zu testen, ob zusätzliche Nebenwirkungen in Kombination mit Kaffee entstehen könnten. Ich verzichten mittlerweile fast vollständig auf Kaffee, weil ich sonst sehr aufgedreht werde und sich die Wirkung generell verändert. Ich kann koffeinfreien Kaffee sehr empfehlen! Es gibt aber auch Menschen, bei denen das überhaupt kein Problem ist – einfach bisschen ausprobieren.
- Appetit beobachten
- Dosis sehr langsam steigern
- Ich habe in der Zeit viele Erfahrungsberichte gelesen, was sehr hilfreich war
Fazit: Medikinet im Alltag
Medikinet unterstützt mich im Alltag extrem. Es gibt kleinere Nebenwirkungen, die ich noch immer ab und zu habe. Kopfschmerzen und der übermäßige Durst sind komplett verschwunden. Bei extrem warmen Temperaturen halte ich mich eher im Schatten auf, da man durch die Medikamente mehr schwitzen kann bzw. extreme Hitze sich nicht sehr angenehm anfühlt.
Mir fällt es einfacher Aufgaben anzufangen, mich nicht ablenken zu lassen und auf dem Weg zur Küche vergesse ich nicht mehr jedes Mal was ich da eigentlich wollte. Natürlich “heilt” das Medikament nicht mein AD(H)S, das will ich auch überhaupt nicht, aber es entlastet mich in vielen Punkten. Ich werde nie den selben Workload wie andere in der selben Zeitspanne leisten können, aber alleine diesen Fakt zu wissen hilft. Meine Empathie und das um fünftausend Ecken-Denken würde ich nicht eintauschen. Trotzdem ist es wichtig sich einzugestehen, dass einem andere Dinge schwerfallen und man eventuell bestimmte Voraussetzungen benötigt/andere Bedürfnisse hat. Mein Ziel ist definitiv nicht Peak Produktivität zu erreichen oder irgendwo mithalten zu können, sondern meinen Alltag langfristig ausgeglichen zu gestalten.
Erfahrungen mit Methylphenidad retardiert (mittellang wirksam)
Die Wirkung dieser ADHS-Medikamente setzt nach etwa einer Stunde ein und hält für 6-8 Stunden an.
Erfahrung mit Medikinet retardiert 20-40 mg
• Person: Angestellte, weiblich, 31 Jahre
• Diagnose(n): F90.0 ADHS
• Weitere Medikation: keine
Mein erster Tag mit Medikinet Retard
Ich nehme das Präparat Medikinet Retard und habe für den Anfang 20mg pro Tag verschrieben bekommen. Vor meiner ersten Einnahme habe ich, wie empfohlen, etwas gefrühstückt. Jedoch war ich mir am Ende des ersten Tages sehr unsicher, ob ich weiter das Medikament nehmen sollte. Die Arbeit fiel mir zwar leichter, ich war konzentrierter und fokussierter, machte keine Flüchtigkeitsfehler mehr, erledigte Dinge, ohne lange darüber nachzudenken, ich konnte Gesprächen folgen, ohne in Gedanken abzuschweifen.
Jedoch hatte ich auch einige Nebenwirkungen: trockener Mund, vermehrtes schwitzen, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Magenschmerzen. Ich habe mich dann am nächsten Tag doch dazu entschieden, es erneut zu nehmen.
Zusätzlich zu dem Frühstücken vorher, habe ich bei der Einnahme ein sehr großes Glas Wasser getrunken. Diesen Tipp hatte ich vorher auf einer ADHS-Plattform gefunden. Dies half sehr gut gegen einige Nebenwirkungen (z.B. Kopfschmerzen).
Nebenwirkungen mit Medikinet
Mittlerweile nehme ich, fast „Nebenwirkungs-frei“ (die Mundtrockenheit und oft auch die Appetitlosigkeit sind geblieben), meist* 40 mg Medikinet am Morgen und komme damit bisher sehr gut über den Tag.
Am Wochenende nehme ich das Medikament meist nicht, da in meinem engsten Umfeld glücklicherweise meine ADHS-Symptome keine Rolle spielen und akzeptiert werden und ich da meist die Wirkung der Medikamente nicht „benötige“.
Durch das Gefühl des trockenen Mundes habe ich angefangen mehr zu trinken. Das war sonst immer etwas, was ich gerne auch den ganzen Tag vergessen habe.
Der Appetitlosigkeit versuche ich entgegenzuwirken, in dem ich mir bewusst mein Essen in mein Sichtfeld stelle (z.B. die Brotdose vor den PC-Monitor). So werde ich immer wieder daran erinnert.
Wirkung und Dosierung im Laufe des Zyklus
Was mir bei der Einnahme jedoch aufgefallen ist, ist folgendes: Meine ADHS-Symptome und die Dosierung der Medikamente hängen auch viel mit meinem Zyklus zusammen.
*Vor meiner und während meiner Periode sind meine ADHS-Symptome verstärkt und ich nehme in dieser Zeit auch auf jeden Fall 40 mg Medikinet.
Nach der Periode und beim Eisprung sind meine ADHS-Symptome leichter zu händeln. Je nachdem, was an diesen Tagen ansteht, reichen auch manchmal 20 mg Medikinet.
Mir hilft es sehr, die Zyklusphase und auch die Höhe der Dosierung zu notieren und darüber Rücksprache mit meinem Arzt zu halten.
Mein Fazit zu ADHS-Medikation
Als mir empfohlen wurde, ADHS-Medikamente auszutesten, war ich eher skeptisch. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie die Wirkung ist und hatte auch Respekt vor den Nebenwirkungen.
Als ich mich dann doch dazu entschlossen hatte, kam schnell die Ernüchterung. Entweder gab es sehr lange Wartezeiten bei den Praxen oder aber es herrschte Aufnahmestopp. In diesem Moment wollte ich das „Handtuch werfen“. Es ging mir alles nicht schnell genug, ich war genervt und frustriert. Schließlich wollte ich die Medikamente jetzt in diesem Moment testen und nicht erst in Monaten. Missmutig sagte ich dann einem Termin zu. Letztendlich war es so, dass die Wartezeit wie im Flug verging und sich das Warten auf die Eindosierung gelohnt hat!! Wichtig ist einfach, sich nicht entmutigen zu lassen. Der Arzttermin verlief sehr gut und mir konnte auch etwas die Angst vor den Nebenwirkungen genommen werden.
Trotz der Nebenwirkungen am ersten Tag, kann ich bisher nur sagen, dass die Vorteile für mich ganz klar überwiegen und das ich froh bin, auf die Empfehlung, die Medikamente einfach mal zu testen, gehört habe.
Erfahrungsbericht: Medikinet retard 20 mg + Ritalin Adult 10 mg
• Person: Weiblich, in den 40ern
• Diagnose(n): F90.0 ADHS, Verdacht auf Autismus-Spektrum; Depression/Burnout bevor ADHS-Diagnose gestellt wurde
• Weitere Medikation: Bupropion 150 mg (Antidepressiva)
Meine ersten Erfahrungen habe ich mit Medikinet Adult, 20 mg gemacht. Das Empfinden über die durchschnittliche, individuelle Wirkdauer schwankte anfangs auch. Es gab Tage, da hatte ich das Gefühl, dass die Wirkung nur drei Stunden anhielt, am nächsten Tag wieder länger. Mittlerweile würde ich sagen, dass die Wirkdauer bei mir ungefähr bei fünf Stunden effektiv liegt.
Grundsätzlich für die Verschreibung gilt:
- Du mußt zuerst eine Testung mit entsprechender Diagnose auf ADHS durchlaufen haben, ohne das kann i.d.R.kein Arzt eine Medikation verordnen und abrechnen.
- Die Rezeptausstellung erfolgt auch in Zeiten der elektronischen Übermittlung aller Rezepte auf die Versichertenkarte, ausschließlich durch deine persönliche Abholung als gelbes Papier-Rezept bei deinem behandelnden Facharzt, denn es handelt sich hierbei um Verschreibungen, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.
- Für den Fall, dass dein Facharzt einmal Urlaub haben sollte und dir das Mittel ausgehen sollte, ist es in Ausnahmefällen auch möglich, dass dein Hausarzt dir einmal ein Rezept ausstellt, er muss es diese Ausnahme allerdings gut für die Krankenversicherung begründen.
- Dein allgemeiner Gesundheitszustand sollte von einem Arzt gecheckt worden sein: Blutwerte und Herz-Kreislaufsystem sollten in Ordnung sein.
Meine Tipps und Erfahrungen in der Eindosierungsphase
Du solltest nach Möglichkeit keinen oder wirklich sehr viel weniger Kaffee in der Eindosierungszeit trinken sollte! Dieser kann den Eindruck der Wirkung verfälschen. Ich hatte dadurch vermehrte Symptome von einem erhöhten Puls bis hin zu totaler Hyperaktivität, sogar noch einen Tag später, nachdem ich den Kaffee abgesetzt hatte und das Medikinet nahm.
Bei Eintritt der Wirkung nach Einnahme der Kapsel, wie auch nach Abflauen der Wirkung kann es vorübergehend zu einer Verstärkung der ADHS-Symptomatik kommen. Bei mir bemerke ich das vor allem beim Abflauen, für ca. eine Stunde. Wenn man eine zweite Dosis am Tag nehmen sollte, kann man dem mit etwas Erfahrung entgegen wirken, indem man diese kurz vor dem Zeitpunkt des Abflauens einnimmt.
Auch wenn dieses Medikament kein sog. Spiegelmedikament ist, ist es wichtig, dieses in einer Eindosierung mit der Anfangsdosis erst einmal eine Woche lang durch täglich zu nehmen, denn in meiner Erfahrung kann es zu starken Schwankungen kommen. Gerade bei Frauen, bedingt durch den Zyklus, aber auch was und wieviel du vor der Einnahme gegessen hast, hat einen großen Einfluß auf die Wirkung. Habe ich z.B. nur wenig gegessen, kann es passieren, daß ich überstimuliert bin, weil das Medikinet dann zu viel auf einmal seines Wirkstoffes abgibt.
Mir hilft es, wenn an manchen Tagen appetittechnisch gar nichts geht, tagsüber leichte Mahlzeiten nach Uhrzeit oder besonderer Aktivität zu mir zu nehmen, z.B. 13h: „Ah, Mittagessenszeit!“ oder „Ich habe gerade sein sportliches Workout hinter mir – jetzt braucht mein Körper Nachschub an Energie.“ Ich esse dann z.B. Obst, Nüsse, eine reichhaltige aber frische Quarkmahlzeit oder mal ein gesunder Proteinshake sein.
Am Abend, nachdem die Wirkung der Medikation nachgelassen hat, kommt I.d.R. auch der Hunger, dann gib dem auch unbedingt nach. Solltest du das Essen tagsüber vernachlässigt haben, wirst du jetzt den größten Hunger ever bekommen, also Vorsicht.
Auch eine zu niedrige Dosierung kann eine Überstimulation, also eine Intensivierung deiner ADHS-Symptome bewirken, bewirken. So oder so ist es mir einige Male so ergangen, dass ich dann erstmal ins Fitnessstudios auf den Crosstrainer bin, um das Zu-viel an Energie (Hyperaktivität) besser Händeln zu können… *lach*
Meine wichtigster Tipp für die Eindosierung: Tagebuch führen
Wenn du mit dem (neuen) Präparat anfängst, führe ab dem ersten Tag ein Tagebuch und halte deine Erfahrungen fest. In diesem schreibst du auf:
- Welches Präparat nimmst du in welcher Dosierung?
- Um wieviel Uhr nimmst du die erste (gegebenenfalls die zweite) Dosis ein?
- Hast du direkt vorher etwas gegessen und wenn ja was? (Bei manchen Präparaten muss vor der Einnahme etwas gegessen werden, bei manchen nicht. Dies beeinflusst die Art der Aufnahme im Körper maßgeblich und kann bei Nichtbeachtung zu unangenehmen Nebenwirkungen und Schwankungen in der Wirkung führen! Bei einigen Stimulanzien kann es auch zu absoluten Appetitverlust führen! Dein Körper braucht dennoch regelmäßige Mahlzeiten, damit er dir gut dienen kann also achte gut auf dich.)
- Wie ist deine Stimmung an dem Tag? Was hast du am Tag so für dich erlebt? Hast du dich dabei anders gefühlt und verhalten als du es sonst von dir gewohnt bist
- Wie hast du die Wirkung empfunden, körperlich und von deinem Erleben der Alltagssituationen her? Warst du ruhiger? Hattest du mehr Antrieb, Aufgaben zu beginnen und zu Ende zu bringen? Oder warst du vielleicht sogar noch impulsiver, unruhiger oder „tollpatschiger“ als du es sonst von dir kennst?
- Wie ging es dir, nachdem die Wirkung für dich nicht mehr spürbar war? Nach wieviel Stunden war das der Fall?
- Bei gleichzeitiger Einnahme von Antidepressiva: Achte auch hier ganz besonders auf dein Befinden und notiere die Dosierung dieser Mittel zusätzlich.
- In welcher Zyklusphase bist du?
Meine Wirkung von Medikinet
Vor meiner allerersten Einnahme von Medikinet hatte ich großen Respekt, fast Angst, einfach weil ich so gar nicht wusste, wie die Wirkung denn so sein könnte. (By the way: deshalb hier auch dieser Artikel, denn mir hätte so einer zu der Zeit wirklich geholfen!) Ich traf mich mit einer guten Freundin im Café und erzählte ihr von der Einnahme, so dass sie Bescheid wußte. So konnte ich während unseres Gesprächs immer wieder Veränderungen, die ich bei mir bemerkte, direkt mitteilen. Das hat mir eine große Sicherheit gegeben.
Ich hatte vorher wirklich auch die Befürchtung, das Medikament würde mein Wesen total verändern. Hier kann ich dich aber beruhigen: DAS kann es nicht! *lach*
Als erstes bemerkte ich, dass mein räumliches Vorstellungsvermögen auf einmal so klar und strukturiert war wie noch nie.
Als Nächstes bemerkte ich eine totale innere Ruhe. Egal was meine Freundin mir Aufwühlendes erzählte, ich blieb ruhig und vollkommen bei mir. Auch die Geräuschkulisse nahm ich anders wahr, leiser und weiter weg, nicht mehr komplett in mir, wie zuvor.
Als ich dann später das Café verließ und einige Erledigungen in der Stadt besorgte, fühlte ich kurz so etwas wie ein spontanes Glücksgefühl, das von dem Gedanken begleitet wurde: „So ist der Alltag für viele andere?! Dann kann man mit dem ganz normalen Leben ja glücklich sein!“
Der Unterschied war krass.
Seitdem habe ich nicht mehr so ein intensives Erleben davon.
Trotzdem kann ich sagen, dass ich mich wesentlich besser fokussieren kann. Ich kann Bücher lesen, ohne immer wieder denselben Satz von vorne anfangen zu müssen, weil ich am Ende schon den Anfang vergessen habe… Ich bin also viel schneller, nicht nur beim Lesen, sondern auch bei komplexeren Aufgaben, die vielleicht viele Einzelschritte brauchen. Ich habe so schon den gesamten Nachmittag in einem richtigen Flowzustand verbracht, weil ich sehr motiviert war und eine recht klare Vorstellung davon hatte, was als Nächstes dran ist.
Ich machte nicht ständig diese „Pausen“, entweder weil ich erschöpft war oder den Überblick verloren hatte. Selbst sonst sehr langweilige Aufgaben gehen mir dann vergleichsweise mühelos und schnell von der Hand, z.B. Papierkram.
Insgesamt kann ich sagen, dass sich die Medikation, bei regelmäßiger Einnahme zwei mal pro Tag, sogar positiv auf meinen Allgemeinzustand und somit auf meinen Schlaf auch nach Abklingen der Wirkung auswirkt. Ich fühle mich allgemein ruhiger und ausgeglichener.
Wechsel- und Nebenwirkung mit Bupropion
Gleichzeitig muss ich sagen, dass es für mich gerade auch sehr schwierig ist, das für mich wirklich passende Präparat bzw.die wirklich gut passende Dosierung zu finden. Da ich gleichzeitig Bupropion nehme, habe ich oft Schwierigkeiten mit einer erhöhten Pulsfrequenz, also einem schnelleren Herzschlag und somit mit Unruhe oder sogar Hyperaktivität, weil sowohl das Antidepressivum, als auch das Medikinet, anregend auf das Herz-Kreislauf-System wirkt.
Außerdem habe ich oft Schwankungen in der Wirkung und kann oft, trotz Tagebuch, (noch) nicht sagen, woher diese dann kommen.
Meine Erfahrung mit Ritalin Adult
Ich habe auch einen Versuch mit Ritalin Adult unternommen. Mit der Anfangsdosierung von 10 mg kam ich zuerst im Zusammenhang mit Bupropion besser zurecht, bei höherer Dosierung war es dann für mein System sehr belastend. Ich hatte auch nicht so eine Breite an positiven Veränderungen auf meine ADHS-Symptomatik wie beim Medikinet. Ich war einfach nur allgemein ein wenig ruhiger, sonst hatten sich aber keine Vorteile gezeigt.
Erfahrungen mit Methylphenidad (lang wirksam): Concerta, Equasym retardiert oder Methylphenidate HCL
Diese Präparate haben eine Wirkzeit von 10 – 12 Stunden.
Leider habe ich (noch) keine Erfahrungsberichte von Patient*innen mit Concerta oder Methylphenidate HCL sammeln können. Hast du Erfahrungen, die du teilen möchtest? Dann schreib mir gerne eine Nachricht!
Erfahrungen mit Attentin (Dexamphetamin)
Wirkdauer: kurz wirksam
Wirkzeit: ca. 8 Stunden
Leider habe ich (noch) keine Erfahrungsberichte von Patient*innen mit Attentin sammeln können. Hast du Erfahrungen, die du teilen möchtest? Dann schreib mir gerne eine Nachricht!



Guten Abend,
Danke für die Erfahrungen und Eindrücke.
Ich m33 habe erst im Februar 2025 die Diagnose ADHS bekommen, weil ich mal wieder eine Rezidivierende schwere Depression hatte. Seit meiner Jugend leide ich immer wieder unter Depressionen. 2009 bin ich das erste mal in Behandlung gegangen. Leider haben die Ärzte 2009 mein ADHS übersehen und mich immer wieder falsch diagnostiziert. Also ich hätte schon mit 17 die richtige Therapie haben können. Die Symptome waren schon im Grundschulalter vorhanden. Das muss ich gerade auch erst mal verkraften. Denn es ist viel passiert von meinem 17. Lebensjahr bis zu meinem 33. Lebensjahr. Viele Partnerschaften gingen zu bruch, Freundschaften ebenfalls, Suchtprobleme, Probleme am Arbeitsplatz etc pp. Hätte ich eher die Diagnose bekommen, wäre mir vieles erspart geblieben. Die Jahre sind nun weg, in denen ich hätte ein besseres Leben führen können. 16 Jahre …
Im Februar 2025 suchte ich einen Psychologen auf, weil ich mal wieder in einer schweren depressiven Episode hing. Er gab mir mehrere Bögen in die Hand, die ich ausfüllen musste. Danach kam das Gespräch. Er wollte meine Schulzeugnisse aus der Grundschule sehen. Schon in der ersten Sitzung wurde die ADHS Diagnose gestellt. Das hat mein Leben doch sehr verändert, weil ich immer dachte, dass ich einfach nur zu dumm & unfähig bin. Ich wusste, dass etwas mit mir nicht stimmt. Immerhin haben es mir meine Mitmenschen auch immer wieder gesagt. Ich konnte aber mit ihrer Kritik nichts anfangen und habe mich stattdessen von Menschen zurückgezogen. Ich habe Freunden, Partnerinnen und auch zeitweise meiner Familie den Rücken gekehrt weil ich mich gekränkt & ungeliebt gefühlt habe.
Im Dezember 2025 kam erneut die Depression zurück. Ich bekam Bupropion (ADHS Off Label & Antidepressiva). Ich bin derzeit bei 150mg. Die Depression ist besser geworden. Die ADHS Symptome (Innere Unruhe, Getriebenheit, Impulsivität, Vergesslichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten) sind noch da. Wir wollen auf 300mg erhöhen und schauen, ob sich die Symptome bessern. Nicht jeder ADHS’ler springt auf Bupropion an. Studien zeigen aber, dass es doch einige gibt, die eine Symptomverbesserung verspürt haben.
Auf einen Facharzttermin warte ich vergeblich. Min. 6 Monate Wartezeit. -.- Normalerweise bräuchte ich ein „richtiges“ ADHS Medikament. Bupropion ist ja offiziell nicht zugelassen für ADHS. Ich würde gerne ein normales Leben führen. Nicht mehr ständig grübeln, mehr Ruhe im Kopf, endlich Nachts vernünftig schlafen, eine stabile Partnerschaft führen, Freunde finden etc pp. Aber ohne Medikamente wird das nicht funktionieren. Die Therapie alleine reicht einfach nicht.
Vielen Dank für deinen umfassenden Bericht! Ich drücke dir die Daumen, dass du bald einen Facharzt findest und „richtige“ ADHS-Medikation testen kannst.